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Die Scheidung

Bei einer Scheidung sind viele Fragen offen. Die häufigsten Fragen finden Sie hier von uns beantwortet. Übrigens sind wir auch als Mediatoren bei Trennung und Scheidung tätig. Mehr Informationen hierzu finden Sie unter www.scheidung-mediation.info

 

Wo und wie muss eine Scheidung beantragt werden?

Die Ehescheidung muss vor dem zuständigen Familiengericht beantragt werden. Den Antrag auf Scheidung muss ein Rechtsanwalt stellen. Sie benötigen daher mindestens einen Rechtsanwalt. Erfolgt die Scheidung einvernehmlich, also gibt es keinen Streit über die Aufteilung des Vermögens, Verbleib in der Ehewohnung oder bezüglich der Kinder (Umgang, Unterhalt), dann braucht der andere Ehegatte keinen eigenen Rechtsanwalt, sondern kann der Scheidung einfach, d.h. ohne eigenen Rechtsanwalt, zustimmen. Bei streitigen Sachverhalten wird sich der andere Ehegatten auch einen Rechtsanwalt nehmen; dies ist wie dargelegt aber nicht notwendig, wenn Einvernehmen bezüglich der Scheidung herrscht. Sensible Punkte können vorab in einer Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt werden, so dass es zu keinem streitigen Verfahren vor Gericht kommen muss.

 

Wie lange müssen wir getrennt leben?

Möchten beide Ehegatten die Scheidung, müssen sie mindestens ein Jahr getrennt leben, bis Sie geschieden werden können; das ist das sogenannte Trennungsjahr. Ein Getrenntleben ist auch innerhalb der gemeinsamen Wohnung möglich. In gewichtigen Ausnahmefällen kann die Zeit des Getrenntlebens kürzer ausfallen.

Möchte nur ein Ehegatte die Scheidung, müssen Sie mindestens drei Jahre getrennt leben. Dann kann eine Ehe auch dann geschieden werden, wenn der andere Ehegatte nicht zustimmt.

 

Wer darf in der Wohnung bleiben?

Können Sie sich nicht darüber einigen, wer in der Wohnung bleiben soll, kann beim Familiengericht ein Antrag auf eine Wohnungszuweisung nach § 1361 b BGB gestellt werden. Bei der Entscheidung des Gerichts spielt es eine Rolle, ob die Zuweisung vor der Ehescheidung, also während der Trennungszeit, oder nach der rechtskräftigen Scheidung begeht wird. Erforderlich ist für die Wohnungszuweisung vor der Scheidung ist, dass eine unbillige Härte vermieden werden kann. Dies ist beispielsweise bei häuslicher Gewalt der Fall. Nach der Ehescheidung gilt ein anderer Maßstab, wenn es um die endgültige Überlassung der einstigen Ehewohnung geht. Als Ehegatte haben Sie einen Anspruch auf Überlassung der Ehewohnung, wenn Sie auf die Nutzung der Wohnung unter Berücksichtigung des Wohls der im Haushalt lebenden Kinder und der bisherigen Lebensverhältnisse in stärkerem Maße angewiesen sind.

 

Wie komme ich nach der Trennung finanziell über die Runden?

Ab der Trennung können Sie unter bestimmten Voraussetzungen Trennungsunterhalt von anderen Ehegatten verlangen. Voraussetzungen für den Anspruch ist eine noch bestehende Ehe, ein Getrenntleben der Ehegatten, die Bedürftigkeit des Ehegatten der Trennungsunterhalt verlangt (Unterhaltsberechtigter) und die Leistungsfähigkeit des Ehegatten, der den Trennungsunterhalt bezahlen soll (Unterhaltspflichtiger). Während der Trennungszeit soll der bisherige Lebensstandard möglichst erhalten werden. Ob  Bedürftigkeit vorliegt, richtet sich nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Eheleute. Bedürftig ist ein Ehegatte, wenn ihm eine eigene Erwerbstätigkeit nicht möglich oder nicht zumutbar ist, oder sein eigenes Einkommen zum Erhalt des bisherigen Lebensstandards nicht ausreicht.

 

Habe ich nach der Scheidung Anspruch auf Unterhalt?

Für die Zeit nach der Scheidung gilt für beide Ehegatten der Grundsatz der Eigenverantwortung. Es obliegt daher jedem Ehegatten, nach der Scheidung selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Nur soweit er dazu außerstande ist, steht dem wirtschaftlich schwächeren Ehegatten unter bestimmten Voraussetzungen noch Unterhalt zu.

Wann kann nachehelicher Unterhalt verlangt werden?

Das Gesetz sieht sieben Tatbestände vor,  aufgrund derer ein Ehegatte auch nach der Scheidung Unterhalt verlangen kann:

  • wegen Kinderbetreuung, § 1570 BGB
  • wegen Alters, § 1571 BGB
  • wegen Krankheit oder Gebrechen, § 1572 BGB
  • wegen Arbeitslosigkeit, § 1573 BGB Abs. 1 und 4 BGB
  • als Aufstockungsunterhalt, § 1573 Abs. 2 BGB
  • wegen Ausbildung, § 1575 BGB
  • als Billigkeitsunterhalt, § 1576 BGB

 

Wie wird das Vermögen verteilt?

Im Fall einer Scheidung kann ein Zuwachs an Vermögen im Rahmen des Zugewinnausgleichs ausgeglichen werden, wenn Eheleute im gesetzlichen Güterstand gelebt haben. Das ist automatisch der Fall, wenn Sie nichts anderes (Gütertrennung, Gütergemeinschaft) vor dem Notar vereinbart haben.

Als Zugewinn bezeichnet man den Unterschied zwischen dem Vermögen bei der Heirat und bei der Scheidung. Dieser Zugewinn wird für jeden Partner einzeln ermittelt und dann gegeneinander gerechnet. Erhebliche Bedeutung kommt damit der Bestimmung des Anfangs- und des Endvermögens zu.

Ein Berechnungsbeispiel:

Der Ehemann hat ein Anfangsvermögen von 10.000 Euro und ein Endvermögen von 30.000 Euro, sein Zugewinn beträgt 20.000 Euro. Die Ehefrau hat kein Anfangsvermögen und ein Endvermögen von 10.000 Euro, ihr Zugewinn liegt bei 10.000 Euro. Die Differenz zwischen den Zugewinn der beiden Partner beträgt 10.000 Euro: 20.000 Euro des Ehemanns minus 10.000 Euro der Ehefrau. Davon muss der Mann die Hälfte ausgleichen. Die Frau erhält von ihm also 5.000 Euro.

 

Welcher Ausgleich findet hinsichtlich der Rentenansprüche statt?

Bei der Scheidung findet ein sogenannter Versorgungsausgleich der während der Ehezeit von den Eheleuten erworbenen Rentenanwartschaften statt. Er wird vom Familiengericht im Rahmen des Ehescheidungsprozesses automatisch durchgeführt. Ein Ausschluss des Versorgungsausgleichs ist unter besonderen Voraussetzungen möglich. Ehezeit ist dabei die Zeit vom Beginn des Monats, in dem die Ehe geschlossen wurde, bis zum Ende des Monats vor Zustellung des Scheidungsantrags. In den Versorgungsausgleich einzubeziehen sind Anwartschaften bei folgenden Einrichtungen:

  • gesetzliche Rentenversicherung,
  • Beamtenversorgung,
  • betriebliche Altersversorgung einschließlich der Zusatzversorgungen des öffentlichen Dienstes,
  • berufsständische Altersversorgungen (beispielsweise Ärzte-, Apotheker-, Architekten-, Rechtsanwaltsversorgungen),
  • private Lebensversicherungen (nur Rente, § 2 Abs. 2 Nr. 3 VersAusglG).