Mit den Eltern über das Erbe sprechen…

Es fällt den meisten nicht leicht, mit den Eltern über die von ihnen zu erwartende Erbschaft zu sprechen. Vorliegender Beitrag beschäftigt sich mit diesem Problem und gibt eine Anregung, wie mit ihm umgegangen werden kann.

Das Problem: Manche Pläne wollen finanziert werden

Viele haben irgendwann den Wunsch, eine Familie zu gründen,  eine Immobilie zu erwerben, Vermögensaufbau bzw. private Altersvorsorge zu betreiben und/oder sich selbstständig zu machen. Häufig werden diese Wünsche drängender, wenn man um die 30 Jahre alt ist. In diesem Alter reichen die finanziellen Mittel aber oft nicht aus, um manchen Plan zu verwirklichen.

In dieser Situation denken die meisten in alle Richtungen und auch (zaghaft) darüber nach, ob ggf. ein Erbe von den Eltern zu erwarten sein wird. Dann könnten Kredite wenigstens  später leichter zurückgezahlt werden, die nun zur Erfüllung von Plänen aufgenommen werden.

Natürlich möchten die meisten Kinder, dass ihre Eltern noch lange leben und auch noch ihre Enkel und sogar Urenkel aufwachsen sehen. Eine Frage nach dem Erbe soll daher keinesfalls von den Eltern so missverstanden werden, dass man sich die Eltern schon „unter die Erde“ wünscht. Interessant wäre die Antwort aber schon auf die Frage:

Habe ich eine Erbschaft von meinen Eltern zu erwarten?

Vielleicht stellen auch Sie sich diese Frage, die wiederum zu folgenden Fragen führt:

  • Wie wird die testamentarische Anordnung meiner Eltern genau aussehen? Gibt es überhaupt ein Testament?
  • Welche Vermögenswerte sind vorhanden und welche Verbindlichkeiten?
  • Mit welchem Erbe habe ich zu rechnen?
  • Haben die Eltern über eine vorweggenommene Erbfolge nachgedacht, um steuerliche Vorteile ausnutzen zu können?
  • Haben sich die Eltern rechtlich beraten lassen und wie sieht ihre eigene Vorsorge eigentlich aus?
  • Gibt es eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht? Wer ist vorsorgebevollmächtigt?

Anregung: So könnten Sie mit Ihren Eltern über das Erbe sprechen.

  1. Teilen Sie Ihren Eltern mit, dass Sie sich gerne einmal in einer ruhigen Minute mit Ihnen über Themen des Alters unterhalten wollen. Durch diese Ankündigung sind Ihre Eltern im Ungefähren vorbereitet, ohne dass es schon zu großen Missverständnissesn kommen könnte. Belassen Sie es zunächst dabei und werden Sie möglichst noch nicht konkreter, damit ihre Bitte etwas sacken kann.
  2. Schneiden Sie das Thema nach zwei, drei Wochen wieder an und bitten Sie Ihre Eltern darum, sich Zeit für eine Besprechung zu nehmen.
  3. Sofern Sie noch keinen Termin vereinbart haben, vereinbaren Sie nun einen Termin mit Ihren Eltern und ggf. Geschwistern.
  4. Schlagen Sie ggf. vor, zu dem Termin einen Rechtsberater hinzuzuziehen, der Fragen zum Thema Altersvorsorge beantworten kann. Wenn es Ihnen darum geht, nicht nur über die Bedürfnisse der Eltern, sondern auch über Ihre eigenen Bedürfnisse zu sprechen, wäre die optimale Besetzung dieses Beraters ein Rechtsanwalt für Erbrecht, der gleichzeitig praktizierender Mediator ist. Dieser kann nicht nur rechtliche Informationen geben und im bestimmten Umfang Fragen beantworten, sondern durch mediative Gesprächstechniken dafür sorgen, dass Missverständnisse vermieden werden und alte familiäre Gesprächsmuster den Dialog nicht überlagern und unmöglich machen.
  5. Im Idealfall erarbeiten Sie mit Ihren Eltern im Rahmen der Besprechung ein Konzept, das sowohl die Wünsche und Bedürfnisse Ihrer Eltern als auch Ihre berücksichtigt.
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